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Das
Carretto – einst als Beförderungsmittel für Waren und
Leute ins Leben gerufen – stellt gewiß den bekanntesten und
kennzeichnendsten Gegenstand sizilianischer Volkskunst dar. Diese heiteren,
traditionellen Meisterwerke vermitteln den Augen des Betrachters den Eindruck
einer Explosion von Farben in der ganzen vorstellbaren Pracht. Auf den
Kanten, Speichen, Rädern und Achsen, wo die Farben gelb, rot, grün
vorherrschen, widerspiegelt diese Farbenpracht die Leidenschaft und Sonne,
Schwefel, die Orangen und Zitronen, Meer und Himmel und die Lava, die
der Ätna speit sowie die Feurigkeit der Sizilianer.
Zunächst einmal beschränkte sich die Wahl der Zeichen und Motive
auf religiöse Themen, die dem Schutz des Wagens dienen sollten. Doch
im Lauf der Zeit gesellten sich den alten nach und nach zunehmend neue
Inhalte hinzu, geprägt von den Geschichten großer Wanderdichter,
die Sizilien bereist, von Ort zu Ort gezogen und von Rittern und ihrer
Liebeskunst erzählten, und bereicherten das bunte Repertoir. So wurden
Heilige allmählich (ohne jemals vollends von den Karren zu verschwinden)
von den Pfalzgrafen verdrängt und vor allem von den Szenen aus „Cavalleria
Rusticana“, dem Roman, in dem Giovanni Verga sich gerade dem Motiv
des edlen Fuhrmanns widmet, abgelöst.
Ein besonderer Vertreter dieser alttradierten Kunst vor Ort, in Aci S.
Antonio, ist Herr Di Mauro (bekannt als Minicu u pitturi), der im Jahre
1962 die Ehre hatte, den Nobelpreisträger Salvatore Quasimodo zu
empfangen, und ein paar Jahre später den Regisseur Pier Paolo Pasolini
sowie in der Folge viele andere berühmte Persönlichkeiten.
Er wurde eingeladen, Sizilien im Pavillon „Tourisme et travail“
vorzustellen, sein Werk wurde im Jahre 1982 im angesehensten ethnologischen
Museum der Welt ausgestellt: im „Musée de l’homme“
in Paris (wo gegenwärtig alles aufbewahrt ist). Ein kleiner Wagen,
auf dem der Lebenslauf des amerikanischen Präsidenten J.F. Kennedy
dargestellt ist, wurde an das Weiße Haus übergeben.
Heute ist Domenico di Mauro 92 Jahre alt… und malt noch immer in
seiner Werkstatt, in Aci S. Antonio.
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